Sonntag, 5. Februar 2012

Julischatten - Antje Babendererde

Inhalt
Nachdem Simona, genannt Sim, zu ihrem sechzehnten Geburtstag mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landet, stellen ihre Eltern sie vor die Wahl: entweder sie fliegt für sechs Wochen zu ihrer Tante Jo in die Staaten oder sie kommt in eine Entzugsklinik. Natürlich entscheidet sich Sim für den Trip in die USA, ihre Freude hält sich dennoch in Grenzen, denn Jo wohnt in der absoluten Einöde von South Dakota, im Pine Ridge Reservat. Sim, die schon immer eine Vorliebe für ausgefallene und vollkommen ausgeflippte Klamotten hatte, fällt im Indianerreservat bei den Lakota auf wie ein bunter Hund, und sorgt für viel Klatsch. Trotz ihrer anfänglichen Zweifel wachsen ihr Land und Leute ans Herz, obwohl das Leben im Reservat nicht immer einfach ist. Vor allem die beiden besten Freunde Jimi Little Wolf und Lukas Brave haben es ihr angetan. Sim verliebt sich in den draufgängerischen Jimi, doch auch mit dem blinden Lukas verbindet sie bald eine innige Freundschaft. Als jedoch zwischen den beiden Freunden ein Streit wegen ihr ausbricht, weiß sie, dass sie sich entscheiden muss, für wen ihr Herz schlägt.

Meinung
Lange habe ich auf ein neues Buch von Antje Babendererde hingefiebert, und ich wurde nicht enttäuscht. Ein weiteres Mal entführt uns die Autorin in die Welt der amerikanischen Ureinwohner, dieses Mal in eine der ärmsten Gegenden der USA, nämlich ins Pine Ridge Reservat in South Dakota. Wie immer ist das Setting hier ein wichtiger Bestandteil des Buches, denn Antje Babendererde versteht es wie keine andere, uns diese Gegend mit sehr bildhafter und intensiver Sprache näherzubringen. Ich hatte nur knapp ein Viertel des Buches verschlungen, da fand ich mich schon vor dem Computer wieder, und gab den Namen des Reservats in eine Suchmaschine ein. Die Bilder, die ich fand, kamen dem, was ich vor meinem geistigen Auge gesehen hatte, sehr nah und ich fand es beeindruckend, wie schön, aber auch wie erschreckend manche Bilder waren. Wen es interessiert, dem empfehle ich sehr diese Bilderstrecke. Mich hat dieses Land mit den ärmlichen Verhältnissen sehr fasziniert, und Frau Babendererde hat mal wieder mein Interesse geweckt, wie vorher auch für La Push (Indigosommer), Neah Bay (Rain Song) oder Nevada (Die verborgene Seite des Mondes). All diese Schauplätze stehen nun auf der Liste der Orte, die ich gerne einmal sehen würde, ganz oben; und das nur wegen der Bücher der Autorin.

Wie sie es immer wieder schafft, ein so reales Bild der Umstände dort zu vermitteln, und dennoch die Schönheit des Landes und der Kultur nie außer Acht zu lassen, ist mir ein Rätsel. Immer wieder schockieren mich die Fakten, die sie uns präsentiert: Auch in diesem Buch zeigt sie, dass die Indianer heutzutage mit sehr vielen Widrigkeiten zu kämpfen haben. Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Armut, Drogenmissbrauch, Kriminalität, Teenager-Schwangerschaften, der Verfall ihrer Kultur - all das ist leider heutzutage an der Tagesordnung in den Reservaten. Dabei geht Frau Babendererde auch auf aktuelle politische Entwicklungen ein, kritisiert die amerikanische Regierung bis zu einem gewissen Grad. 

Aber natürlich ist das Buch auch zuvorderst ein Jugendbuch, somit lässt es auch eine gewisse Leichtigkeit und Romantik nicht vermissen. Sim ist ein toller Charakter, und im Gegensatz zu den meisten Heldinnen der derzeitigen Jugendliteratur kein perfektes Mädchen, sondern hat Schwächen, sowohl charakterlicher Art als auch in ihrem Aussehen. Das finde ich äußerst erfrischend, und es trägt nur noch mehr zur Authentizität des Buches bei. Auch die beiden Freunde Lukas und Jimi passen perfekt ins Buch; Lukas ist ein Charakter zum Träumen und auch Jimi muss man mögen, obwohl er so einiges falsch macht und sehr eindeutige Schwächen hat. Die beiden sorgen dafür, dass die Leser sich auf eine große Prise Romantik freuen dürfen, Schwärmpotential inklusive. Bis zuletzt war ich mir nicht sicher, für wen von beiden sich Sim entscheiden wird, obwohl ich definitiv einen Favoriten hatte, aber genau das finde ich perfekt, denn der Roman ist in der Hinsicht in keinster Weise vorhersehbar. 

Einen kleinen Kritikpunkt muss ich jedoch leider auch anbringen, auch wenn der für mich nicht das ganze Buch ausmacht: Wie in der Inhaltsangabe schon angedeutet, hat Sim ein mittelschweres Alkoholproblem und kommt daher auch überhaupt erst nach South Dakota. Das Problem wird auch mehrmals angesprochen, und Sim hat diverse Rückfälle, doch zum Schluss fehlt dem Ganzen etwas Tiefgang, indem sich alles fast wie von selbst löst. Hier hätte ich mir etwas mehr Ernsthaftigkeit gewünscht, denn Alkoholismus ist sicher kein Problem, was über Nacht und durch simple Überlegung einfach verschwindet. Da meiner Meinung nach aber dieses Thema eher ein Nebenschauplatz des Buches war, macht das wirklich nur einen kleinen Teil meiner Bewertung aus.

Fazit
Julischatten ist ein Buch über Freundschaft und Liebe, aber genauso ein Buch, dass eine Kultur beschreibt, die schockiert, aber auch fasziniert, und das ganze ohne den verklärten Blick der Wildwest-Romantik. Ein wunderbares Werk, dass ich jedem sehr ans Herz legen kann!

Bewertung
4,5 von 5 Blümchen!


Vielen Dank an Arena für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


8 Kommentare:

Sandi hat gesagt…

Das hört sich richtig gut an. Vor allem ist es auch mal wieder ein ganz anderes Genre. Ich werde mir das Buch mal vormerken. Mit Sicherheit brauch ich bald mal wieder etwas Abwechslung von meinen momentanen Romantasys. Sag mal gab es La Push nicht auch in Twilight? Kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Von der guten Autorin habe ich bisher noch gar nichts gelesen wenn ich ehrlich bin. Aber das werde ich wohl noch nachholen.

schönen Rest-Sonntag dir noch
LG

Karo hat gesagt…

Jap, La Push ist bei Twilight auch, da kommen die Quileute her, die ja die Werwölfe sind, ganz in der Nähe von Forks. :) Das wird bei "Indigosommer" auch so ein bisschen zum Running Gag. ^^ Indigosommer ist auch richtig toll, genauso wie die anderen beiden Bücher, die ich von ihr bis jetzt gelesen habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du das magst. Die Hintergründe der Indianerkulturen sind einfach nur spannend, und wie Du sagst: Es ist mal was anderes, als immer nur Fantasy. :)

Sandi hat gesagt…

Na da lag ich mit La Push ja gar nicht so daneben. Stach mir beim Lesen deiner Rezi nur so ins Auge. Also, wenn du schon sagst, das mir die Bücher gefallen werden, muss ich sie mir doch mal bald wirklich besorgen. Im Moment haben es mir die Englischen Bücher+ Romantisy aber echt angetan. Die Autorin hab ich aber auf jedenfall noch im Hinterkopf. Hab ich eigentlich schon erwähnt, das ich Silence schon gelesen habe? Von Patch♥ und Nora zu lesen hat mal wieder richtig Spaß gemacht. Wie sieht es da eigentlich bei dir aus? Hach und die Rebellin von Trudi Canavan, von dir empfohlen, steht hier auch noch rum. Hach

Karo hat gesagt…

Silence steht schon im Regal, aber ist noch nicht gelesen. Ein paar Rezis sind vorher noch dran, also vielleicht wird's dann im März was.
Ich freu mich sehr, dass Du so Gefallen an englischen Büchern gefunden hast!! Die Rebellin... *schwärm* Aber die Reihe wird erst im zweiten und dritten Band so richtig toll, auch wenn der erste ziemlich gut ist. Lies es bald!!!! ♥
Was Antje Babendererde angeht: Wie schon gesagt, die Romantik kommt in keinem ihrer Bücher zu kurz, die Autorin hat auch ein besonderes Gespür dafür, männliche Protas zu erfinden, in die man sich schnell verlieben kann. *an Simon und Lukas denk* ♥ Du wirst auf jeden Fall auf Deine Kosten kommen! :D

Reni hat gesagt…

Karo, das ist mal wieder eine sehr schöne Rezi! Das Buch hatte ich neulich beim Thalia in der Hand und habe mir dann doch selbst auf die Finger geklopft. Das muss leider erst einmal warten! Aber nach deiner Rezi werde ich es mit Sicherheit einmal lesen, wie auch so viele andere Bücher dieser Autorin. Bisher kenne ich nur "Zweiherz" von ihr und das fand ich recht gelungen. Das mit der Alkoholsucht über Nacht würde mich hier glaube ich aber auch stutzig machen. Hach, auf deine anderen Rezis freue ich mich schon. :)

Karo hat gesagt…

Dankeschön, Reni!!! :) Klopf Dir nicht auf die Finger, kauf es! Das Buch ist wirklich wunderschön. Das sind so richtige Wohlfühlbücher, obwohl bei weitem nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist bei Antje Babendererde. Aber ich klappe die Bücher immer mit einem guten Gefühl zu... :) Das mit der Alkoholsucht: Hmm... manchen fällt es vielleicht gar nicht so auf, weil eben der Fokus wirklich nicht drauf liegt... Es ist ja auch keine große Sache, ich fand bloß die Ausgewogenheit da nicht so gelungen. Aber ist eigentlich kein Grund, das Buch nicht zu lesen. :)

Welche anderen Rezis denn? *mich verwirrt umschau* xD

Reni hat gesagt…

Also das mit der Alkohlsucht wäre für mich jetzt auch kein Minuspunkt! Aber komisch fände ich so einen raschen Umschwung wohl auch ... wollte ich damit nur sagen. Bei den Rezis beziehe ich mich auf deinen zweiten Kommentar zu Sandi ... in Bezug auf "Silence", was immer auch noch vor März so kommen mag. ;)

Liebe Grüße
Reni

P. S. es gibt bereits die neue Hillywood Parodie zu "Breaking Dawn" leider nur per You Tube und da steht uns ja die GEMA im Weg. *Schnief* :(

Karo hat gesagt…

@Reni: Ach soooo! Ich hoffe, ich schaffe die Rezensionsexemplare jetzt im Februar, mal sehen. :)

Das mit Hillywood ist ja doof... :/ Aber umso gespannter können wir dann sein. ;)