Montag, 23. Juli 2012

Shades of Grey. Geheimes Verlangen - E.L. James

Achtung! Das Buch ist erst für Leser ab 18 Jahren zu empfehlen!

Inhalt
Da ihre Freundin Kate krank im Bett liegt, willigt Ana dazu ein, an ihrer Stelle den reichen Unternehmer Christian Grey für die Unizeitung zu interviewen. Der charismatische Christian zieht sie schnell in ihren Bann, und es knistert gewaltig zwischen den beiden. Doch Christian warnt sie, sich nicht mit ihm einzulassen, denn er hat ungewöhnliche sexuelle Vorlieben, und Ana ist noch völlig unerfahren auf diesem Gebiet. Doch sie lässt sich davon nicht einschüchtern und so beginnt eine heiße Affäre zwischen den beiden...

Meinung
Tja, um dieses Buch kommt man derzeit ja wirklich nicht drumherum. Man liest überall Meinungen, extrem kritische oder extrem begeisterte, etwas dazwischen scheint es kaum zu geben. Und doch wähne ich mich genau zwischen diesen beiden Extremen, denn das Buch hat mir weder besonders gut gefallen, so dass ich in Begeisterungsstürme verfalle (und wer mich kennt, weiß, dass ich zu so etwas durchaus neige), noch habe ich es abgrundtief gehasst. Für meine Begriffe war es ein sehr durchschnittlicher Erotik-Roman. 

Ich muss sagen, dass sich das Buch wirklich schnell lesen lässt. Vor allem der Anfang ist noch sehr interessant, wenn man Christian erst nach und nach kennenlernt (eine Mischung aus Bruce Wayne aus Batman und Edward Lewis aus Pretty Woman) und das Hin und Her zwischen ihm und Ana auch noch einigermaßen spannend ist. Zum Ende hin lässt diese Spannung deutlich nach und es ist dann nur noch ein sich wiederholendes Hin und Her mit immer dem gleichen Grund und Ausgang. Überhaupt passiert relativ wenig echte Handlung in diesem Buch. Natürlich ist es ein Erotik-Roman und somit nimmt auch die Erotik einen wichtigen Stellenwert in der Handlung ein, was ich aber auch nicht schlimm finde. Allerdings besteht der Rest der Handlung wirklich hauptsächlich aus dem Aushandeln des Vertrages zwischen Christian und Ana (in dem festgelegt wird, welche Rollen die beiden einnehmen, inklusive Regeln, hier geht es um den BDSM-Part im Buch), ein paar kleineren Episoden aus Anas Leben und dem regen E-Mail-Austausch zwischen beiden. Mehr ist da nicht, weswegen für mich persönlich das Ende auch ziemlich frustrierend war. Dazu kommen ein paar sehr große Unwahrscheinlichkeiten, wie z.B. dass man wie Ana mit 21 Jahren noch keinen Sex hatte, geschweige denn einen Freund, die die Geschichte etwas unauthentisch wirken lassen. Für mich ist das nur ein kleines Manko, aber trotzdem ein Manko.

Dazu kommt, dass der Schreibstil von E.L. James wirklich zu wünschen übrig lässt, man merkt der Geschichte eben doch an, dass sie mal eine Fanfiction war (auch wenn die Parallelen zu Twilight meiner Meinung nach sehr dünn gesät und somit unwichtig sind). Nicht nur, dass die Dame manche Wendungen, Sätze und Phrasen immer und immer und immer und immer wieder benutzt, nein, gerade diese Wendungen sind teilweise sehr holprig oder klischeehaft oder machen auch gar keinen Sinn. Wer oder was diese innere Göttin ist, von der sie die ganze Zeit spricht, und was genau der Unterschied zu ihrem Unterbewusstsein ist, das sich regelmäßig einen Kampf mit dieser Göttin liefert, soll sie mir wirklich mal erklären. Zugegeben, manchmal tragen diese inneren Monologe mit diesen beiden Parteien auch zum Witz der Geschichte bei, aber meist habe ich nur sofort die Augen verdreht (und hatte dann Angst, dass Christian um die Ecke kommt und mich versohlt... ^^).

Und da wären wir auch schon beim springenden Punkt, warum dieses Buch vielleicht für den ein oder anderen nichts ist: Es ist tatsächlich eine BDSM (Bondage Discipline Sadism Masochism)- Geschichte, das heißt, man sollte auch erwarten, dass es um Unterwerfung und Dominanz geht, dass durchaus auch Gewalt angewendet wird, und dass die Protagonisten nicht die ganze Zeit Blümchensex haben. Und auch, wenn es sicherlich noch sehr viel "schlimmere" Romane in diesem Sektor gibt (und ich auch sehr viel Schlimmeres erwartet habe), sollte man sich vorher darüber im Klaren sein, ob man sowas eben lesen kann oder eher nicht. Wenn nicht, sollte man dann dieses Buch auch nicht vollkommen verreißen wegen eben dieser Elemente, sondern es einfach links liegen lassen, egal, wie groß der Hype ist.
Zu den Sexszenen kann ich sagen, dass diese größtenteils sehr anregend geschrieben sind, allerdings auch ein bisschen die Abwechslung fehlt. Dennoch gibt es auf diesem Gebiet bei mir kaum Abzüge, außer vielleicht manchmal für das Vokabular, das meiner Meinung nach doch noch zu anständig war, was nicht zum eher harten Sex passte.

Fazit
Den großen Hype kann ich absolut nicht nachvollziehen, denn ich habe eine durchschnittliche Geschichte mit einem interessanten männlichen Protagonisten, einem eher gewöhnungsbedürftigen Schreibstil und einer unauthentischen weiblichen Hauptfigur gelesen, die mich nicht vom Hocker hauen konnte, aber für einige Stunden gut unterhalten hat. Ob Teil 2 noch mit mir stattfindet, weiß ich noch nicht, denn vor allem auch das Ende konnte mich nicht überzeugen. Wie Hollywood diesen Roman allerdings verfilmen will, darauf bin ich sehr gespannt! (Ich schlage Christian Bale für Christian Grey vor! ^^)

Bewertung
Durch und durch mittelprächtig, somit genau 2,5 von 5 Blumen von mir! Ich danke Goldmann für das Rezensionsexemplar!


Reiheninformation
Dieses Buch gehört zu einer Trilogie, die auf Englisch schon vollständig erschienen ist. Auf Deutsch erscheinen Band 2 und 3 noch dieses Jahr! Ich finde übrigens sowohl die englischen als auch die deutschen Cover sehr gelungen.
  • Fifty Shades of Grey / Shades of Grey. Geheimes Verlangen
  • Fifty Shades Darker / Shades of Grey. Gefährliche Liebe (erscheint am 3. September 2012)
  • Fifty Shades Freed / Shades of Grey. Befreite Lust (erscheint am 29. Oktober 2012)

12 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

SPOILER möglich
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HA! Wir sind einer Meinung. Ich habe zwar ein halbes Blümchen weniger vergeben, aber ich kann dir nur in allem zustimmen. Mich hat das Buch auch unterhalten, aber es gibt zu viele Punkte, die das Buch etwas eintönig, klischeehaft und wiederholend werden lassen. Hinzu kommen die verwendeten Textbausteine und die wenige Handlung und schon wird es mittelmäßig. Ich würde mir Teil 2 evtl. als Hörbuch anhören. Mal sehen. Das Ende nervt dann eben doch. :D

~ A. ;)

Karo hat gesagt…

An sich hätte ich auch nix dagegen gehabt, mehr Punkte zu vergeben, da es eigentlich auch genug Potential hat. Aber wie Du schon sagst: Gerade der Schreibstil macht es doch sehr mittelmäßig und zieht die Bewertung weit runter, leider!
Als Hörbuch wär es nix für mich, sowas muss ich selbst lesen. :)

lettersalad hat gesagt…

Der Schreibstil ist echt nervig, wobei der mir in den beiden Folgebänden noch mehr auf die Nerven ging, als in diesem Teil hier.

Die innere Göttin nervt irgendwann nur noch und ich habe jeden Satz, der schon mit "My inner Goddess..." anfing einfach übersprungen.

Die Bücher sind an sich nichts Besonderes, aber irgendwie ist die Sotry wieder soweit interessant, dass man einfach weiterliest und über gewisse Mängel hinweg sieht. Hat E.L. James bzw. der Lektor schon clever angestellt ^.^

Karo hat gesagt…

@Lettersalad: Ja, wie schon geschrieben war ich anfangs auch recht angetan vom Plot, aber das ließ leider zum Ende hin immer mehr nach. Wenn mich alles andere gut unterhält, guck ich auch gern über Mängel, was den Schreibstil angeht, hinweg, aber hier hat es sich leider summiert, weswegen ich es wirklich für nichts Besonderes halte. Aber für Leser, die sonst eher weniger im Erotik-Sektor lesen, ist es vielleicht ein ganz netter Einstieg. :)
Was die innere Göttin angeht: Mich hat vor allem genervt, dass nie wirklich geklärt wurde, was sie damit eigentlich wirklich meint, weil sie ja auch immer von ihrem Unterbewusstsein spricht. Wo ist jetzt der Unterschied? Und auch wieder dieses Baustein-hafte: immer wieder wird diese Phrase mit der inneren Göttin rausgekramt, wie auch so manch andere, und dann ist es nicht mehr witzig (wie es vielleicht bei den ersten drei Malen noch war), sondern irgendwann nur noch nervig. An sich finde ich die Idee nämlich gar nicht soooo schlimm, aber die Umsetzung... hmpf.

Damaris hat gesagt…

Huhu Karo,
Danke für diese tolle u. amüsante Rezi, ich hab mehrmals laut aufgelacht :-) Oh Gott, das mit der inner Goddess klingt schon iwie strange. Ich hab das Buch ja auch aufm Kindle u. erwarte gar nicht viel. Einfach gute Unterhaltung. Das Thema reizt ja schon sehr, auch wenn ich mich selbst damit gar nicht identifizieren kann ;-)
Drück!
Damaris

Karo hat gesagt…

@Damaris: Das war zwar nicht beabsichtigt, freut mich aber natürlich trotzdem, wenn Dir die Rezi Spaß gemacht hat. :) Übrigens ist der SM-Teil wirklich nicht soooo übermäßig. Das wird vielleicht in den nächsten Teilen noch mehr, das weiß ich nicht (Lettersalad?), aber man sollte da wirklich keine Angst vor haben. :) Und gute Unterhaltung wirst Du bekommen, da bin ich mir sicher. :)
Drück zurück!

lettersalad hat gesagt…

Also den Unterschied habe ich so verstanden, dass die innere Göttin quasi ihre verruchte Seite sein soll, die gerne auf Christians Ideen eingeht, während ihr Unterbewusstsein immer an die Vernunft appelliert. Ana ist halt hin und her gerissen und das sollen diese beiden zeigen. Auf der einen Seite mag sie Christian und seinen Lifestyle, auf der anderen findet sie es nicht normal, hat Angst und will einfach nur eine normale Beziehung mit ihm. Nervig sind sie aber beide gleichermaßen ^.^

Anonym hat gesagt…

Ich habe das mit dem Unterbewusstseun und der inneren Göttin ein bisschen so gesehen wie Engelchen und Teufelchen, aber immer passte das nicht. Das mit der verruchten Göttin und dem unschuldigen, naiven Unterbewusstsein trifft es wahrscheinlich wirklich am Besten.

~Aranka

Renate hat gesagt…

Auch ich fand diese "BDSM" Szenen recht ungut. Da hab ich gleich zum nächsten erotischen Büchlein auf meinem Nachtkästchen gegriffen: "Pornos machen traurig" - und siehe da: ein interessanter Kosmos der Männerphantasien tut sich auf ...

Renate

Karo hat gesagt…

@Aranka/Lettersalad: Die Rollen hab ich auch verstanden, aber ich weiß immer noch nicht, warum sie beides brauchte, die innere Göttin UND das Unterbewusstsein. Aber ist ja im Endeffekt auch egal. ;)

@Renate: In welchem Sinne "ungut"? Schlecht geschrieben? Inhalt für Dich zu anstößig? Zu gewalttätig? Oder zu sanft?

Eva hat gesagt…

Karo, auch wenn man es sich schwer vorstellen kann, aber ich kenne jemanden, der so alt ist wie ich und noch nie Sex hatte... Und da das Buch im prüden Amerika spielt, kann ich mir durchaus vorstellen, dass da einige 21jährige Jungfrauen rumlaufen. ^^

Karo hat gesagt…

@Eva: Ja, da stimme ich Dir zu, das gibt es mit Sicherheit. Aber das sind meistens irgendwelche Stubenhocker, oder prüde, oder sonstwas. (Ich betone: meistens! Ich hoffe, hier fühlt sich jetzt niemand angesprochen...) Was ich damit sagen will: Es passt nicht zu ihrem Charakter, welcher ja eigentlich sehr offen und zugänglich ist, zudem erzählt sie ja immer, dass so viele sich für sie interessieren. Es ist einfach sehr unwahrscheinlich, dass jemand wie sie noch Jungfrau ist. Wenn sie die Einstellung hätte: Kein Sex vor der Ehe! wär das ja schon wieder eine andere Sache. Aber die hat sie ja ganz eindeutig nicht. ;)