Freitag, 20. April 2012

Dark Queen. Schwarze Seele, schneeweißes Herz - Kimberly Derting

Inhalt
In Ludania herrscht seit etlichen Generationen Königin Sabara, die ihre Untertanen in einem eisernen Griff hält. Die Gesellschaft ist in Klassen eingeteilt, in denen verschiedene Sprachen gesprochen werden. Keiner darf die Sprache einer anderen Klasse kennen, verstehen, geschweige denn sprechen, so soll die Kooperation der verschiedenen Klassen verhindert werden, denn Rebellionen erschüttern das Land. 
Charlaina, kurz Charlie, wurde in die Kaufmannsklasse geboren und fühlt sich dort auch eigentlich ganz wohl, würde sie nicht ein gefährliches Geheimnis bewahren: Denn Charlie kann jede noch so fremde Sprache verstehen und sprechen, ein Geheimnis, dass, käme es heraus, ihr Leben kosten würde. Als sie dann auf Max trifft, der eine Sprache spricht, die sie noch nie gehört hat, wird sie in eine Rebellion hineingezogen, die ihre ganze Gesellschaft auf den Kopf stellt und die Königin stürzen will. Kann sie Max vertrauen?

Meinung
Ja, wieder einmal eine Dystopie, werden jetzt wahrscheinlich einige aufstöhnen. Und ja, auch ich dachte das zuerst, nachdem ich zwar ein großer Fan des Genres bin, aber doch immer aktuellen Neuerscheinungen eher skeptisch gegenüberstehe, da durch den großen Hype, den die Hunger Games oder Divergent ausgelöst haben, auch einige schlechte Vertreter veröffentlicht werden. Aber da mir das Buch ans Herz gelegt wurde, wollte ich es doch einmal versuchen. Ich muss sagen, ich war positiv überrascht.

Die Zukunftsvision von Kimberly Derting scheint auf den ersten Blick erst einmal gar nicht so düster, wenn man Charlie das erste Mal kennenlernt. Sie scheint wie ein normales Mädchen, ist zwar in einer der niederen Klassen hineingeboren, scheint aber trotzdem ganz zufrieden mit dem Leben zu sein. Doch dann merkt man schnell, dass es hier unter der Oberfläche brodelt. Eine Gesellschaft, in der man andere Sprachen nicht verstehen, nicht sprechen darf, ja, sogar die Augen abwenden muss, wenn jemand in Gegenwart eine andere Sprache spricht, ist schwer vorstellbar. Auf ein Vergehen gegen diese Regel steht die Todesstrafe, und auch andere kleinere Vergehen werden sofort mit Köpfen oder Hängen geahndet. Wahnsinnig, wie diese (wirklich böööööse) Königin ihr Land regiert, aus Angst vor Aufständen. Ich finde, diese Welt wurde überzeugend und interessant von Kimberly Derting geschildert und begründet, was für mich schon mal die halbe Miete für eine gute Dystopie ist. 

Die andere Hälfte der Miete machen die Charaktere aus. Auch hier konnte mich die Autorin zum größten Teil überzeugen. Charlie, unsere Hauptfigur lernen wir durch die Ich-Perspektive kennen. Ihre Fähigkeit, andere Sprachen zu verstehen und zu sprechen ist geheimnisvoll, und man fragt sich lange, woher das kommt. Zugegeben, ab einem bestimmten Punkt hatte ich eine Vermutung, die sich dann auch schlussendlich bestätigt hat, aber man kann da noch lange nicht von vorhersehbar sprechen, finde ich. Lediglich manche ihrer Reaktionen und ihre Entwicklung zum Ende hin konnte ich nicht so ganz verstehen, da sie nicht zu ihrem eigentlichen Charakter passten. Auch Max, der Love Interest, wird gut in die Geschichte eingeflochten. Er ist ein Gegenpol zu Charlie, weswegen es am Anfang auch oft Reibereien zwischen den beiden und sehr viele verwirrte Gefühlte auf Seiten von Charlie gibt. Trotzdem hatte er für mich die perfekte Mischung zwischen Sensibilität, Temperament, Beschützerinstinkt und Widerspenstigkeit. Solche männlichen Charaktere mag ich. Gut, die Liebesgeschichte zwischen den beiden geht sehr schnell und so ganz verstehen, warum Max sich gerade Charlie aussucht, wo sie sich doch selbst immer als eher unauffällig, vor allem neben ihrer hübschen Freundin Brooklynne (im Übrigen fand ich die Idee, dass viele der Menschen in dieser Welt ihre Kinder nach früheren Städten oder Stadtteilen benennen, sehr schön), beschreibt, blieb mir ein bisschen ein Rätsel. 
Die Nebenfiguren, besonders Angelina - Charlies Schwester - und Xander, haben mir sehr gefallen. Allerdings hätte ich über ein paar von ihnen gerne mehr erfahren, ein bisschen mehr Sorgfalt in der Entwicklung dieser Charaktere wäre also wünschenswert gewesen.  

Im Plot gibt es auch ein paar weitere Ungereimheiten, die mich ein bisschen stocken ließen, aber insgesamt für mich nicht so sehr ins Gewicht fielen. Was mich wirklich gestört hat, war die Technik der Autorin, ein paar wenige Male eine andere Perspektive einzubauen. Dies wurde jedes Mal mitten im Kapitel mit einer kurzen Zwischenüberschrift, wie z.B. "MAX", eingeläutet, ohne Vorwarnung oder wirklichen Grund. Das hätte man sicherlich auch geschickter lösen können. 
Übrigens gibt es in der Handlung und im Aufbau der Welt eine leichte Fantasy-Komponente, die mich aber nicht weiter gestört hat. Eher hat es zu dem Motiv der bösen Königin, wie wir es aus Märchen kennen, gepasst.

Fazit
Insgesamt kann ich also sagen, dass diese Dystopie aus der Feder von Kimberly Derting, die eher für ihre Fantasy-Romane bekannt ist, nicht zu den ganz Großen des Genres gehört, mir aber trotzdem durch einen spannenden Plot, außergewöhnliche Gesellschaftsstrukuren und interessante, sowie widersprüchliche Charaktere ein paar sehr angenehme und unterhaltsame Lesestunden beschert hat. 

Bewertung
Dafür vergebe ich 3,5 von 5 Blümchen.
Ich bedanke mich bei Egmont INK für das Rezensionsexemplar!


Reiheninformation
Es sind zwei weitere Teile geplant. Teil 2 The Essence (deutscher Titel unbekannt) wird schon am 1. Januar 2013 erwartet.

6 Kommentare:

Reni hat gesagt…

Ist gut geworden deine Rezi! Stimmt, einige Dinge sehen wir ähnlich und ich war auch positiv überrascht. An sich habe ich das Buch, trotz einiger Macken, sehr gerne gelesen. Vorhersehbar fand ich die Story auch nur zum Teil, vor allem was Charlie betrifft und die Perspektivenwechsel fand ich da etwas unnötig. Zumindest auf die Sicht von Max hätte ich verzichten können. Auf den zweiten Teil bin ich auf jeden Fall gespannt und werde ihn wohl lesen. Das letzte Kapitel macht es ja sehr spannend bzw. lässt erahnen in welche Richtung es gehen könnte. :)

Liebe Grüße
Reni

Karo hat gesagt…

Danke, Reni! :)

Ja, stimmt, das letzte Kapitel ließ erahnen, wohin es geht, obwohl mir auch nicht so ganz klar war, wieviel Zeit zwischen dem Ende und den Ereignissen mit der Königin vergangen waren. Es schien ja schon ein bisschen her zu sein. Ich freu mich jedenfalls auf mehr aus dieser Welt.

Sarah hat gesagt…

Schön ausführliche Rezension :) Finde es wirklich überraschend, wie die Meinungen bei dem Buch hier auseinander gehen. Ich selber finde eher, dass Kimberly Derting besser bei ihrer Bodyfinder-Reihe beleiben sollte. Mir hat "Dark Queen" praktisch gar nicht gefallen :( Sehr schade, zumal ich die Cover so unglaublich toll finde und sowieso ein Fan von Dystopien bin.

Miss Bookiverse hat gesagt…

Ich kann mich da gar nicht anschließen, fand das Buch totaaal öde. Und die Welt auch nicht gut begründet. Ich fand das mit dem Sprachen-Klassensystem war zwar ne gute Idee, aber da hat es hinten und vorne an Logik gefehlt :/

Karo hat gesagt…

@Miss Bookiverse: Ja, die Meinungen gehen ziemlich auseinander bei dem Buch. :) Aber doch, ich fand es ganz nett, es hat mich gut unterhalten, auch wenn ich mir der Schwächen bewusst bin, die ja dann auch Punktabzug gegeben haben. :)

Karo hat gesagt…

Huch, der Kommentar von Sarah ist mir irgendwie durch die Lappen gegangen. Sorry!

Also, @Sarah: Die Bodyfinder-Reihe von ihr habe ich noch nicht gelesen, aber nachdem mir ihre Art zu schreiben ganz gut gefallen hat, werd ich es damit vielleicht auch mal probieren. Wenn ich denn man irgendwann meinen Monster-SuB bezwungen habe. :D
Danke für das Kompliment!