Freitag, 8. Juli 2011

Zweilicht - Nina Blazon

Als der Deutsche Jay in New York zu seinem Highschool-Jahr ankommt, scheint für ihn zuerst alles ungewohnt und fremd. Selbst im Haus seines Onkels fühlt er sich zuweilen fehl am Platz, aber doch ist für ihn mit dem Auslandsjahr ein Traum in Erfüllung gegangen, da er seit einem Aufenthalt mit seinem verstorbenen Vater vor etlichen Jahren immer davon geträumt hatte, zurückzukommen und hier zu leben. In der Schule lernt er Madison kennen, die ihn von Anfang an verzaubert. Sie kommen sich näher, aber plötzlich trifft er ein Mädchen, was nur er sehen kann. Ivy verwirrt ihn, aber auch zu ihr fühlt er sich hingezogen. Und auf einmal steht er nicht nur zwischen den beiden Mädchen, sondern auch zwischen zwei Welten, zwischen Sonne und Mond, zwischen Vergangenheit und Gegenwart...

Mehr kann man eigentlich nicht wirklich von dem Buch verraten, ohne zu viel vorwegzunehmen, deswegen fällt es mir auch sehr schwer, jetzt meine Meinung wiederzugeben ohne zu spoilern. Aber ich werde es versuchen. Das wichtigste erstmal vorweg: Dieses Buch ist großartig! Nina Blazon zählt jetzt seit einiger Zeit zu meinen Lieblingsautoren, doch noch nie hat mich ein Buch von ihr so überzeugt wie dieses.

Die Handlung fängt relativ normal an, man könnte meinen, man liest einen normalen Jugendroman mit leichtem Fantasy-Anteil. Doch weit gefehlt! Plötzlich kommt Schwung in die Handlung, und diesen Schwung nimmt Nina Blazon mit über 400 Seiten reinster Spannung. Was sie hier geschaffen hat, ist eine neue Welt, eine erschreckende Welt, aber auch eine Welt voller Wunder und Magie. Überhaupt hat Nina Blazon ein Talent dafür, die Orte ihrer Handlungen auszuschmücken, uns zu verzaubern mit ihren Landschaften, Städten, Welten. Ich kann schwer beschreiben, wie diese Welt in Zweilicht aussieht, ohne zu viel vorwegzunehmen, aber mich hat sie vollkommen mitgerissen, ich konnte mir den Schauplatz ganz genau vorstellen und würde mich nicht wundern, wenn ich in den nächsten Tagen davon träume (Träume sind schließlich auch ein wichtiger Bestandteil des Buches). 

Auch die Charaktere sind unglaublich gut gezeichnet: Hier gibt es an sich zwei Seiten, und man glaubt irgendwann im Buch zu wissen, wer gut und wer böse ist. Doch man wird immer wieder eines Besseren belehrt und muss seine Meinung über eine bestimmte Person mehr als einmal revidieren. Diese Wendungen passieren überraschend, man sitzt da mit offenem Mund und staunt. Aber sie sind nachvollziehbar und aufrichtig, was ich besonders wichtig finde. Wenn ein Charakter auf einmal eine Wendung vollzieht, ohne, dass man es ihm abnimmt, ist er kein guter Charakter. Bei Nina Blazon ist das aber toll gelungen. Ganz am Anfang hatte ich Probleme, nachzuvollziehen, wer jetzt wer ist, da die Figuren meist mehr als einen Namen haben, aber man merkt, dass das durchaus beabsichtigt ist, denn man hat irgendwann einen Aha-Effekt und findet sich zurecht. 

Zweilicht ist ein mitreißender Mix aus verschiedenen Genres: Fantasy, Jugendbuch, sogar Dystopie finden hier ihren Platz. Und das in einem einzigen Band! Ja, es gibt sie also noch - Autoren, die es schaffen, auch in einem Einzelband eine Geschichte zu Ende zu erzählen, so dass man das Buch mit einem guten Gefühl zuklappen kann, ohne sich über einen Cliffhanger zu ärgern, der einen ein Jahr lang oder länger sehnsüchtig auf den Folgeband warten lässt. Natürlich mag ich auch meine Buchserien, aber Nina Blazon ist derzeit ein Exot auf dem Markt mit Einzelbänden, und das ist äußerst erfrischend. Das Ende hat mich vollkommen zufriedengestellt, schreit nicht nach einer Fortsetzung, und entlässt mich trotzdem voller Sehnsucht nach den liebgewonnenen Charakteren. Wer schafft das heutzutage noch? Wunderbar, Frau Blazon!

Insgesamt kann ich mein Loblied folgendermaßen zusammenfassen: Wer ein Buch sucht, was einen vollkommen in seine Welt abtauchen lässt, einen mitreißt, einen staunend zurücklässt, der sollte definitiv zu Zweilicht greifen. Ich bin immer noch atemlos und verzaubert und warte sehnsüchtig auf ein neues Buch von dieser wunderbaren Autorin! Ich lege mich fest: Das ist eins meiner absoluten Highlights in 2011!

Keine Frage: 5 von 5 Sternen!!!!! 

Ich danke cbt herzlich für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

Hinweis: Zweilicht erscheint am 29. August 2011.

4 Kommentare:

Debbie hat gesagt…

Ich habe das Buch auch schon gelesen und war sehr verblüfft, in welche Richtung das Buch ging! Hab es aber begeistert begrüßt und dann um so intensiver verschlungen!^^ Schöne Rezi!

Eva hat gesagt…

Tolle Rezi Karo! :)

Karo hat gesagt…

@Debbie: Ja, das muss ich auch sagen, dass ich etwas vollkommen anderes erwartet habe. Umso mehr freue ich, dass das Buch so toll gewesen ist. *hach* Danke fürs Kompliment! :)

@Eva: Auch an Dich danke! ♥

Reni hat gesagt…

Echt schön geschrieben und nicht zuviel verraten. Jaaaa, die Entwicklung der Charas ist schon echt erstaunlich, wo sie doch anfangs recht geheimnisvoll rüberkommen. Mit Madison, Ivy und Mo hatte ich komischerweise kein Problem. Ich hatte da so einen Verdacht und der war gar nicht mal so weit hergeholt. Aber dennoch ist der Anfang sehr verwirrend. :)
Die zweite Hälfte/Dystopie ist schon echt genial ... und wirklich seeeehr überraschend. Ich hätte am liebsten auch 5 Punkte vergeben, doch das abrupte Ende um Wendigo und meine offenen Fragen in Bezug auf Zweiherz, ließen es dann doch nicht zu. Ansonsten wieder mal ein ganz tolles Leseerlebnis. Daumen hoch!