Freitag, 21. September 2012

The Rise of Nine - Pittacus Lore

Vorsicht! Da es sich um die Rezension zum dritten Teil einer Reihe handelt, enthält sie Spoiler zu den vorhergehenden Teilen!

Rezension zu Teil 1 I Am Number Four
Rezension zu Teil 2 The Power of Six

Inhalt
Nach den aufreibenden Ereignissen in Spanien und in den USA, versuchen die verbleibenden Mitglieder der Garde endlich zusammenzufinden. Dies gestaltet sich allerdings als etwas schwierig: Während Nine und John versuchen, die anderen aufzuspüren, und dabei die ganze Zeit darüber streiten, wie und ob sie Sam aus seiner Gefangenschaft bei den Mogs befreien sollen, suchen die restlichen Loric nach den noch verschollenen Nummern. Und tatsächlich: Es gibt eine Spur, die darauf hindeutet, dass sich Nummer Fünf in Indien aufhält. Sie brechen dahin auf, werden unterwegs aber vom Militär angegriffen, vor dem sie fliehen müssen. Werden sie Five noch rechtzeitig finden und dann zu John und Nine stoßen können?

Meinung
Seitdem ich den Film zum ersten Teil sah, bin ich ein erklärter Fan dieser Reihe. Umso schlimmer finde ich es, dass die Reihe filmisch anscheinend nicht weitergeführt wird, zumindest nicht momentan. Aber das ist eine andere Geschichte... Mit diesem Teil hat das Autorenduo, was unter dem Namen Pittacus Lore schreibt, wieder einen actiongeladenen Roman hingelegt, der kaum noch Wünsche offen lässt, bis auf den einen nach dem nächsten Band. 

Dieses Mal wird wiederum eine neue Perspektive hinzugefügt; während im ersten Band nur John allein die Geschichte erzählte, kam im zweiten Band Marina, Nummer Sieben, dazu. In The Rise of Nine bleiben diese beiden Perspektiven erhalten, dazu kommt Six, die auch einen Großteil der Erzählung beiträgt. Erkenntlich wird der Wechsel der Perspektiven auch durch drei verschiedene Schriftarten, allerdings muss ich sagen, dass ich öfter überlegt habe, wessen Schriftart jetzt welche ist, weil sie sich nicht viel unterschieden. Überschriften oder etwas ähnliches wären vielleicht effektiver gewesen.

Dennoch mochte ich diesen Wechsel der Perspektiven, denn nur durch sie können wir auch den gesamten Plot verstehen. Die Mitglieder der Garde befinden sich immer wieder an vollkommen verschiedenen Orten der Erde, und versuchen verzweifelt, wieder zusammenzukommen, was sich als gar nicht so einfach gestaltet. Hätten wir nicht drei verschiedene Erzählperspektiven, könnten wir dies nicht begreifen, und es wäre nahezu unmöglich, die Geschichte zu erzählen.

Wiederum ist die Handlung so actiongeladen, dass ich das Buch innerhalb von zwei Tagen geradezu eingeatmet habe. Es gibt in diesem Buch eigentlich kein Kapitel, was wirklich zum Verschnaufen einlädt, und man will immer wissen, wie es weitergeht. Ein paar Wendungen und Überraschungen tragen nur zu diesem Pageturner-Effekt bei. Auch die neu eingeführten Nummern gefallen mir äußerst gut. Wir wissen ja schon von Nine, den Rest verrate ich noch nicht. ;) Aber besonders Nine ist mir auch seeeehr ans Herz gewachsen. Erst denkt man wie John, der ihn anfangs überhaupt nicht leiden kann, denn scheinbar ist alles ein Witz für Nummer Neun. Doch langsam, aber sicher, merken wir wie John auch, dass mehr dahinter steckt, und dass er mit seinem Humor teilweise versucht, seine Sorgen und Ängste zu verbergen. Ein tiefgründiger Charakter, der immer für einen Lacher sorgt und somit das ganze etwas auflockert. Doch, ich mag ihn sehr sehr sehr. 

Nicht so gut gefallen hat mir das Ende. Einerseits kann es daher rühren, dass es wieder einen ziemlichen Cliffhanger gibt und ich mich wirklich gefühlt habe, als ob ich noch ein bisschen in der Luft hänge. Es könnte auch sein, dass ich etwas unbefriedigt war, weil einige meiner vielen bohrenden Fragen noch nicht beantwortet wurden. Andererseits wurde die Handlung dieses Teils schon zufriedenstellend beendet, wenn man bedenkt, dass noch drei weitere Teile folgen sollen, und somit noch viel Zeit bleibt, alles zu beantworten, was mir auf der Seele brennt.

Eins muss mir allerdings mal jemand erklären: Warum zum Teufel heißt dieser Band The Rise of Nine (auf dt. etwa Der Aufstieg von/der Neun)??? Ich dachte vorher, dass vielleicht Nummer Neun eine bedeutende Rolle einnimmt, aber dem ist nicht so. Klar, er kämpft wie die anderen auch, aber eben auch nicht mehr oder weniger als die anderen. Neun Loric sind es ja nun mittlerweile auch nicht mehr, somit kann es auch nicht darauf abzielen. Ich bin da wirklich verwirrt!

Fazit
Nichtsdestotrotz ist das Buch wieder hervorragend: Die Geschichte wird überzeugend weitergeführt, mit interessanten Neuzugängen zur bisherigen Besetzung und einem spannungsgeladenen Plot. Wer wirklich mal ein gutes Young Adult-Buch im Science Fiction-Sektor lesen will, sollte auf keinen Fall an Pittacus Lore vorbeigehen. Wann kommt Teil 4??? 

Bewertung
5 von 5 Blumen! 


Reiheninformation
Die Reihe wird voraussichtlich sechs Bände umschließen, die ersten drei Bände sind auf Englisch erschienen, auf Deutsch die ersten zwei Bände (beim Aufbau-Verlag). Zudem gibt es ein paar Novellas, die Hintergrundgeschichten erzählen (The Lost Files: Six's Legacy, The Lost Files: Nine's Legacy, The Lost Files: The Fallen Legacies, The Lost Files: The Search for Sam). Titel und Erscheinungsdatum der restlichen drei Bände, sowie des deutschen dritten Bandes sind noch nicht bekannt.


  • I Am Number Four / Ich bin Nummer Vier
  • The Power of Six / Die Macht der Sechs
  • The Rise of Nine

Samstag, 8. September 2012

Linna singt - Bettina Belitz

Inhalt
Einige Jahre haben sie sich nicht mehr gesehen, nun kommen aber die Bandmitglieder von "Linna singt" noch einmal zusammen, um ein Konzert zu geben. Dazu fahren sie alle zusammen auf eine Hütte in den Alpen, um ungestört proben zu können. Linna, die in der Band Sängerin war, hat jedoch ihre Gründe, warum sie diesem Ereignis mit eher gemischten Gefühlen entgegen sieht: Denn sie war es damals, die die Band aufgelöst hat, weswegen die anderen ihr grämen, zudem ist auch Falk anwesend, mit dem sie damals eine Nacht verbracht hat und diese nie wieder vergessen konnte. Linnas Befürchtungen bewahrheiten sich schnell, denn irgendwer hat es auf sie abgesehen, und in der Hütte bricht schnell das Chaos aus, Psychoterror inklusive... 

Meinung
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es mir sehr schwerfallen wird, diese Rezension zu schreiben, denn ich bin immer noch, obwohl ich das Buch schon etwas sacken lassen habe, unentschlossen, wie ich es bewerten soll. Zudem ist Bettina Belitz eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen, da fällt es mir gleich noch einmal doppelt so schwer, aber ich werde es versuchen.

Nachdem Bettina Belitz schon sehr viel Fantasy geschrieben hat, sowohl für Jugendliche als auch für junge Erwachsene, gibt es hier mal wieder einen Roman von ihr, der sich einzig und allein mit der Realität beschäftigt, ohne Nachtmahre oder Schutzengel weit und breit. Darüber habe ich mich von vornherein sehr gefreut, denn ich weiß, dass gerade das Frau Belitz sehr gut kann. 

Ihr Schreibstil ist mal wieder ein Genuss: Klar, geradeheraus, und trotzdem manchmal poetisch angehaucht, beschreibt sie uns die Geschehnisse rund um die ehemalige Band "Linna singt" und wie sie versuchen, sich wieder zusammenzuraufen. Bettina Belitz hat einfach ein Talent wie keine andere, die Dinge beim Namen zu nennen, und da dieses Buch auch für ein erwachsenes Publikum gedacht ist, werden hier noch mehr Dinge beim Namen genannt als sonst. Ein paar wenige erotische Szenen beschreibt sie erfrischend nüchtern und ohne den verklärten Blick einer Romantikerin, sondern eher aus den Augen einer Praktikerin. Auch ansonsten lässt sie uns an Linnas Gedanken, aus deren Sicht die Geschichte geschrieben ist, uneingeschränkt teilhaben, und diese Detailtreue rechne ich ihr hoch an, das war sicher nicht immer so leicht. Denn mit Linna hat sie wahrlich keinen einfachen Charakter entworfen: Falk beschreibt sie im Buch als undurchschaubar, mal heiß, dann wieder kalt, und genau so kommt sie auch von Anfang bei mir an. Nach außen hin gibt sie die toughe Zicke, aber in ihr sieht es ganz anders aus, denn sie wird von einigen Dämonen ihrer Vergangenheit verfolgt, die sie alle schlecht verarbeitet hat. So viele Facetten wie bei Linna findet man wirklich selten in Charakteren.

Trotzdem habe ich in der ganzen Zeit nie verstanden, warum genau die anderen es von Anfang an auf Linna abgesehen haben. In der Zeit auf der Hütte passieren einige merkwürdige Sachen, ab und zu mutet die Geschichte fast wie ein Thriller an, denn es werden auch einige Psychospielchen gespielt, die einem Angst einjagen können. Doch alle verdächtigen sofort Linna; im Prinzip hat sie anfangs überhaupt keine Freunde dort, obwohl Bettina Belitz oft Rückblenden einbaut, in der Linna über die Anfänge der Band berichtet, und über die Freundschaft zu den anderen. Wie kann es sein, dass, nur weil Linna damals die Band auflöste, auf einmal plötzlich alle auf ihr herumhacken und sie teilweise schon richtig angreifen? Mir wurde das bis zum Schluss nicht ganz klar, obwohl natürlich einige Geschehnisse aufgeklärt werden. Ich muss ehrlich sein: Ich fand es zwischendurch doch etwas überzogen, was dort abging. Ich persönlich hätte in solch einer Situation meinen angeblichen Freunden einfach den Rücken gekehrt und wäre wieder gefahren (und das ging durchaus, falls da jetzt jemand etwas einwerfen möchte - ich möchte allerdings nicht spoilern). Aber nein, Linna erträgt alles stoisch, lässt jede Anschuldigung über sich ergehen, zieht sich dann in ihr Zimmer zurück und denkt endlos lange darüber nach, kommt aber lange zu keinem Schluss. Das zog sich doch etwas. 

Die Auflösung zum Schluss, wer denn nun für den Psychoterror verantwortlich ist, ist dann sehr einleuchtend und erklärt so manches, allerdings hatte ich etwas in der Art schon etwas länger vermutet, und war nicht den offensichtlichen Weg gegangen, den Falk und Linna in ihren Anschuldigungen gehen. Für mich war es einfach augenscheinlich, den Charakter zu verdächtigen, der für die anderen überhaupt nicht auf dem Schirm stand. Naja, so ist das wohl manchmal bei solchen thrillerartigen Geschichten. 

Fazit
Insgesamt bin ich also mal wieder unentschlossen: Auf der Pro-Seite stehen definitiv wieder die unglaublichen Schreibkünste von Bettina Belitz, und ihr Auge fürs Detail, auf der Contra-Seite, dass ich die Geschehnisse nicht immer ganz glaubwürdig fand und etwas langatmig. Empfehlenswert ist das Buch aber auf jeden Fall für Leser, die große Musik-Liebhaber sind, denn eins kommt als Botschaft sehr deutlich an: Musik ist etwas Besonderes, etwas Magisches, mit heilenden Kräften. Eine wunderschöne und nur allzu wahre Botschaft, wenn ihr mich fragt. 

Bewertung
Ich vergebe 4 von 5 Blumen für eine meiner Lieblingsautorinnen. Vielen Dank an Script5 für das Rezensionsexemplar!


Linna singt erscheint am 10. September 2012.

Mittwoch, 29. August 2012

[Miscellaneous] Rezensionsindex

Ich wollte Euch nur darauf hinweisen, dass Karo adores... nun endlich, endlich einen Rezensionsindex hat, den Ihr rechts im Kästchen mit meinen Leselisten etc. findet. Ich hatte schon lange vor, einen anzulegen, war aber immer zu faul dafür, um die ganzen Titel aufzuschreiben, sie in alphabetische Reihenfolge zu bringen und sie dann noch alle zu verlinken. Aber gestern abend hatte ich Langeweile, und wollte mich vorm Korrigieren von Tests drücken, da kam mir diese Aufgabe ganz recht. ;) Ihr dürft jetzt also in all den Rezensionen, die über die fast zwei Jahre so zusammengekommen sind, stöbern und entdeckt vielleicht noch die ein oder andere Rezension, die Ihr noch nicht gesehen habt. Für alle, die ein bestimmtes Buch suchen, ist der Rezensionsindex auch ein guter Überblick über meine schon rezensierten Bücher. Meine Leselisten bleiben trotzdem bestehen, denn ich habe zwischendurch ja durchaus auch Bücher gelesen, und nicht rezensiert. Solltet Ihr zu diesen Büchern Fragen haben, könnt Ihr natürlich gerne in den Listen kommentieren.
Also, viel Spaß beim Stöbern!

Montag, 27. August 2012

Rühr nicht an mein dunkles Herz - Meredith Duran

Inhalt
Lydia Boyce ist eine Frau, die man als alte Jungfer bezeichnet, denn sie ist 26 Jahre alt, noch unverheiratet und hat zwei jüngere Schwestern, die beide schon einen Mann haben. Im Prinzip ist ihr Leben also vorprogrammiert: Sie wird bei einer ihrer Schwestern wohnen, unerwünscht und fehl am Platz, vielleicht die Kinder erziehen, und mehr nicht. Lydia hat Angst vor diesem Leben, allerdings hat sie sich auch schon fast damit abgefunden, bis sie James, den berüchtigten Viscount of Sanburne trifft. Mit seiner Hilfe versucht sie, den Ruf ihres Vaters zu retten, denn dieser wird beschuldigt, Fälschungen von ägyptischen Antiquitäten ins Land zu schmuggeln. Dabei entdeckt sie jedoch nicht nur ein gefährliches Geheimnis, welches ihr Leben kosten könnte, sondern auch ihre Liebe zu dem unkonventionellen James...

Meinung
Ich hatte schon immer einmal vor, das Genre der Historical Romances (oder wie sie bei LYX heißen: Romantic History, was ja eigentlich das gleiche ist) auszuprobieren. Für mich als Fan von Jane Austen konnte ich mir gut vorstellen, dass auch dieses Genre mich begeistern kann. Auf Empfehlung von Irina fiel meine Wahl im neuen Historical-Programm von LYX also auf Meredith Durans Werk, und ich kann mich nur für diesen Rat bedanken. 

Mit diesem Genre verbindet man leider nur allzu oft Klischees, denn gerne haben die Bücher auf dem hiesigen Markt "Nackenbeißer"-Cover, die eine Geschichte andeuten, die vor Kitsch, Sex und Stereotypen nur so strotzt. Auch ich hatte diese Vorbehalte, wurde aber von Meredith Durans Roman schnell eines besseren belehrt, denn ihre Geschichte hat wirklich sehr wenig mit all diesen Vorurteilen zu tun und dabei sehr viel Potential, zu einer meiner liebsten zu werden. 

Zum einen sind die Figuren unglaublich interessant und mehrdimensional entworfen. Es geht natürlich hauptsächlich um Lydia und James, die in der Geschichte langsam zueinander finden. Lydia ist ein Blaustrumpf (so wurde eine gebildete Frau früher genannt), eine alte Jungfer, und was man ihr noch so alles unterstellen könnte, zumindest oberflächlich betrachtet. Doch unter der Oberfläche brodelt eine vor Lebenslust geradezu überschäumende Frau, die diese Lust mit allen Mitteln und unter dem Deckmantel der Schicklichkeit zu verbergen versucht. Zudem plagen sie viele Ängste und Selbstzweifel, die sie schwer ablegen kann, aber auch für sich behält. Dazu kommen eine unbändige Neugier, ein leichter Hang zur Überheblichkeit und Oberflächlichkeit, und schon haben wir einen sehr vielschichtigen Charakter, den man manchmal mag, aber manchmal eben auch nicht. James schafft es, all diese Gefühle und Charakterzüge ans Tageslicht zu bringen, indem er sie immer wieder aus der Reserve lockt. Die Streitgespräche, die die beiden führen, sind sehr amüsant, und führen langsam, aber sicher (vor allem von James' Seite aus) in eine eher schlüpfrige Richtung, was für einiges Knistern zwischen den beiden sorgt. Auch James verbirgt so einiges vor der Öffentlichkeit, und durch seinen Kreuzzug gegen seinen Vater macht er sich nicht immer nur Freunde. Trotz seiner sehr lebensbejahenden Art hat er auch einige düstere Ecken in seinem Herzen, die nur langsam aufgedeckt werden, und die ihn aber umso attraktiver wirken lassen. Ein tolles Gespann hat Meredith Duran da kreiert. 

Der Plot an sich ist wahrscheinlich nichts Besonderes, die Hintergrundgeschichte hat etwas leicht Detektivisches, was mich aber nicht sooo sehr interessiert hat. Vielmehr hat mich die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen den beiden Hauptpersonen vor diesem Hintergrund gefesselt, so dass sich das Buch für mich zu einem wahren Pageturner entwickelt hat. Da stört es nicht weiter, dass die Auflösung des Plots relativ einfach war, zumindest mich nicht. Dass das Setting für mich als großer England- und Historienfan genau das richtige ist, muss ich wohl nicht noch näher erläutern, oder? London, 19. Jahrhundert, gehobene Gesellschaft - PERFEKT!

Das Buch ist abwechselnd aus James' und Lydias Perspektive geschrieben, und auch die erotischen Szenen, die darin vorkommen, werden mal aus männlicher und mal aus weiblicher Sicht geschildert, was ich sehr erfrischend fand, besonders die unterschiedlichen Wahrnehmungen der beiden ihres Gegenübers. Der Schreibstil ist blumig und üppig, so wie es sich auch für einen solchen Roman gehört, und lässt keine Klagen zu. Einzig der abrupte Perspektiv- und/oder Settingwechsel innerhalb mancher Kapitel, der nicht immer durch einen Absatz, der groß genug ist, angekündigt wurde, ließ mich manchmal stutzen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, inwiefern es sich dabei um einen Fehler bei der Übersetzung, beim Druck oder wirklich beim Original handelt. Zudem war diese Verwirrung meist sehr schnell wieder verflogen, und ich konnte das Buch genussvoll weiterschmökern.

Fazit
Für mich war dieser Ausflug in ein neues Genre äußerst erfolgreich. Die Geschichte um Lydia und James ist witzig, anrührend, spannend und so gar nicht das, was man gern mit diesem Genre in Verbindung bringt. Ein Buch, was durch Setting, Schreibstil und Charaktere auf ganzer Linie überzeugt! 

Bewertung
Keine Frage, ich vergebe 5 von 5 Blumen! Vielen Dank an LYX für das Rezensionsexemplar!!


Miscellaneous
Da dieses Buch mein so ziemlich erster Ausflug in dieses Genre war, der mir äußerst gut gefallen hat, würde ich mich über Empfehlungen von Historical-Experten sehr freuen. :) Nennt mir Eure Lieblinge (gerne auch auf Englisch), so dass ich sie in meine Wunschliste aufnehmen kann!


Mittwoch, 22. August 2012

[Miscellaneous] Mein Herzensbuch

Vor kurzem hat mir die liebe Reni von Bücherraschung ein Stöckchen zugeworfen, bzw. mich getagged. Hierbei geht es um mein Herzensbuch. Dieser Begriff ist nicht näher beschrieben, daher will ich den jetzt mal selbst interpretieren: Für mich ist ein Herzensbuch ein Buch, was mir sehr am Herzen liegt, was ich auch immer im Herzen behalten werde, was mich durch mein Leben begleitet, was ich immer wieder gern lesen möchte, was zeitlos ist, und was ich auch anderen sehr ans Herz legen möchte. 

Die Entscheidung fiel mir gar nicht so leicht, denn natürlich habe ich sehr viele Bücher, die dafür infrage kommen, denn meine Liste der Lieblingsbücher ist lang und einige von diesen erfüllen auch die Kriterien für mein Herzensbuch, z.B. Die Geisha von Arthur Golden, Julischatten von Antje Babendererde, Der König der purpurnen Stadt von Rebecca Gablé, Pride & Prejudice von Jane Austen... und und und. Auch viele meiner Highlights aus den letzten Jahren könnten als Herzensbuch gelten. 

Meine Wahl fiel letztendlich auf Little Women von Louisa May Alcott (auf deutsch: Betty und ihre Schwestern). 
Warum genau dieses Buch? Für mich ist dieses klassische Jugendbuch einfach der Inbegriff von Herzenswärme. Schon als Kind habe ich den Anime Eine fröhliche Familie, der auf dem Buch beruht, geliebt. Erst später habe ich dann das Buch im Original gelesen und wusste sofort, warum es ein Klassiker geworden ist. Die Geschichte um die March-Familie mit den wunderschönen, genauso wie tragischen Ereignissen wärmt einem tatsächlich und wortwörtlich das Herz, wenn man auch manchmal mit den Tränen kämpft (und dabei oft verliert). Auch das Setting hat etwas ganz Besonderes, der Charme des damaligen, kriegsgebeutelten Amerikas erreicht einen auf jeder Seite. Als wäre das noch nicht genug, vermittelt Louisa May Alcott in diesem Buch auch noch sehr viel Weisheit, was das menschliche Zusammenleben betrifft. Ich weiß noch ganz genau, dass ich mich damals nach dem Lesen als sehr viel besserer Mensch gefühlt habe, einfach, weil ich diese Lebensweisheiten in mich aufsog wie ein Schwamm. Daher wird das Buch auch immer einen Stammplatz in meinem Regal haben, und ich werde in besonderen Momenten dazu greifen oder meinen Kindern daraus vorlesen. 
Ich lege allen, die die Geschichte um Jo und ihre Schwestern noch nicht kennen, sehr ans Herz, einmal dieses Buch zu lesen, denn es ist wunderschön und wird einem lange im Gedächtnis bleiben. Wer es kann, sollte jedoch zu einer englischen Version greifen, die deutschen sind nämlich oft gekürzt, was doch sehr schade ist. 

Ich tagge jetzt niemanden, allerdings würde ich mich freuen, wenn ihr auch Lust habt, von Eurem Herzensbuch zu berichten. Nehmt das Stöckchen einfach mit und sagt Bescheid!

Sonntag, 19. August 2012

Ashes. Tödliche Schatten - Ilsa J. Bick

Vorsicht! Da es sich um die Rezension zum zweiten Teil einer Reihe handelt, enthält sie Spoiler zum ersten Teil!

Rezension zu Teil 1 Ashes. Brennendes Herz

Inhalt
Nachdem Alex aus Rule geflüchtet ist, fällt sie sofort den "Veränderten" in die Hände, die sie neben anderen als lebendes Futter halten und mit ihr durch die Gegend ziehen. Während dieser Zeit kann Alex die "Veränderten", von anderen werden sie Chuckies genannt, genauer studieren. Doch auch mit sich selbst hat sie genug zu tun, denn sie hat Angst, sich zu verändern, so wie es schon anderen passiert ist, und sich somit selbst zu verlieren. Aber nicht nur von den Chuckies droht Gefahr: Einige Überlebende machen Jagd auf Jugendliche, um sie an andere zu verkaufen, fast wie Essensmarken. Und viele treiben ein noch grausameres Spiel als die Veränderten... 

Meinung
Als ich letztes Jahr so ziemlich zur selben Zeit den ersten Teil dieser Reihe in Händen hielt und geradezu verschlang, war ich seltsam fasziniert von dieser grausamen Zukunftsvision, die nur allzu real schien. Zudem hatte ich die Hauptpersonen schnell ins Herz geschlossen und verfolgte gespannt ihr Schicksal. Dass dann Ashes. Brennendes Herz noch mit einem Knaller-Cliffhanger endete, trug nur zu meiner unendlichen Vorfreude auf dieses Buch bei. Nach dem Lesen bin ich aber ehrlich gesagt etwas schockiert, welche Wendung die Story in diesem zweiten Teil nimmt. 

Was mich wahrscheinlich am meisten schockierte, war der absolute Ekel, den ich auf nahezu jeder Seite empfand. Schon nach nur ein paar Seiten drehte sich mir das erste Mal der Magen um, obwohl ich, was sowas angeht, eigentlich nicht sooo zart besaitet bin. Ich musste wirklich hart schlucken, und das nicht nur einmal, und leider zog sich das auch wirklich durch das ganze Buch. Es wimmelte nur so von Eiter, abgetrennten Gliedmaßen, Blut; besonders aber der Kannibalismus der Veränderten brachte mich mehrmals an meine Grenzen, wenn er nur allzu bildlich geschildert wurde. Eine Pause von diesen schreklichen Beschreibungen hat man wirklich nur äußerst selten, und wenn es denn soweit ist, tun sich einem zur Abwechslung mal die Abgründe der menschlichen Psyche auf, die einen auf eine ganz andere Art und Weise ekeln. Ich bin mir im Klaren darüber, dass all das unglaublich gut geschrieben ist und auch für manche eine Art Faszination ausübt, für mich bleibt es aber eine klare Kritik am Buch, denn ich kam damit nur schwerlich klar. Aber vor allem ist es eine Warnung für alle, die dieses Buch unbedarft lesen wollen: Wenn ihr schon fandet, der erste Teil war harter Tobak, dann solltet ihr von diesem definitiv die Finger lassen, denn das Ganze wird hier mindestens verzehnfacht. Zum Glück verkauft INK dieses Buch nun auch nicht mehr als Liebesgeschichte, sondern als das, was es ist: ein knallharter Endzeit-Thriller. Puh. 

Nun, da ich mir das von der Seele geschrieben habe, möchte ich natürlich auch noch etwas zum Stil und Plot sagen: Die Schreibe von Frau Bick ist mal wieder unglaublich gut, und ihre Art, jedes Kapitel mit einem Mini-Cliffhanger zu beenden, lässt einen trotz allen Ekels an den Seiten kleben. Auch denke ich, dass ihr Endzeitszenario eines der realsten ist und auch in diesem Teil bleibt. Nur nach und nach enthüllt sie alles, was es über die Katastrophe und seine verheerenden Folgen zu wissen gibt, aber natürlich lässt sie auch noch so einiges über, das uns Rätsel aufgibt und für Spannung im letzten Teil sorgen wird. 
Ihr Schreibstil hat sich aber insofern geändert, dass sie die Geschichte nicht mehr nur aus Alex' Sicht schildert, sondern immer wieder, meist zum Anfang eines neuen Kapitels, die Perspektive wechselt, so dass es manchmal etwas schwerfällt, den Überblick zu behalten. Nach und nach gelingt es einem aber besser, und man versucht, die verschiedenen Handlungsstränge zu kombinieren, so wie Ilsa J. Bick sie auch langsam, aber sicher zusammenführt. Allerdings bleibt eine dramatisches, sowie spannendes Ende mit einem weiteren Cliffhanger nicht aus, der jedoch nicht ganz so schlimm wie der erste ist. Im Endeffekt hat mir die Story aber sehr zugesetzt, wahrscheinlich eben weil ihre Geschichte so real scheint, gar nicht so weit entfernt von dem, was wirklich im echten Leben passiert und schon passiert ist.
Zum Ende bleibt wirklich einiges offen, so dass es noch genug Stoff für den letzten Teil gibt, in dem hoffentlich alle Rätsel und Unklarheiten aufgelöst werden. 

Fazit
Insgesamt kann ich für das Buch mitnichten eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Wer jedoch einen sehr starken eisernen Magen hat, sich vor ein paar unzähligen abgetrennten Gliedmaßen nicht scheut und auch in die Abgründe der menschlichen Psyche blicken kann, bekommt hier einen Endzeit-Thriller serviert, der gut durchdacht, authentisch und spannungsgeladen bis zum Ende ist.

Bewertung
Mit Hinblick auf meinen armen Magen vergebe ich nicht die Höchstpunktzahl, 4 von 5 Blumen! Vielen Dank an EGMONT INK für das Rezensionsexemplar!



Reiheninformation
Diese Reihe wird eine Trilogie. Der zweite Teil erscheint erstaunlicherweise nach der deutschen Version in den USA, so wie es auch schon beim ersten Teil war, somit können wir wohl annehmen, dass auch der dritte Teil hier in Deutschland im August 2013 zu erwarten ist, denn in den USA erscheint Monsters im September 2013.
  • Ashes. Brennendes Herz / Ashes
  • Ashes. Tödliche Schatten / Shadows
  • dt. Titel unbekannt / Monsters

Sonntag, 12. August 2012

Bitterblue - Kristin Cashore

Vorsicht! Da es sich um den dritten Teil einer Reihe handelt, enthält die Rezension Spoiler zu den vorangegangenen Teilen!

Rezension zu Teil 2 Fire

Inhalt
Es sind Jahre vergangen, seit Bitterblue von ihrem Graceling-Cousin Po und dessen Gefährtin Katsa vor ihrem tyrannischen Vater König Leck gerettet wurde. Seitdem ist einiges passiert in Monsea, dem Land, über das Bitterblue nun als Königin herrscht. Doch Bitterblue fühlt sich eingesperrt in ihrem Schloss, aus dem sie nur selten und unter Aufsicht herauskommt. Deswegen fängt sie an, auf eigene Faust verkleidet durch die Straßen von Bitterblue City (vormals Leck City) zu streifen und freundet sich mit einigen Bewohnern an, ohne ihre wahre Herkunft zu verraten. Durch diese Freundschaft findet sie jedoch auch heraus, dass irgendetwas in ihrem Land ganz und gar nicht stimmt, denn Menschen werden ermordet, verschwinden einfach, lügen oder verfallen dem Wahnsinn. Langsam begreift sie, dass das Erbe ihres Vaters anhält und die Gedanken der Menschen auch jetzt noch vergiftet...

Meinung
Nachdem ich Graceling und Fire, die beiden Vorgänger dieses Buches, nahezu verschlungen habe, war die Vorfreude auf dieses Buch sehr groß. Ich fand es von Anfang an bewundernswert, wie originell Kristin Cashores Bücher sind, denn die Geschichten glänzen durch innovative Welten und durch nie dagewesene Bewohner derselbigen. Zudem ist ihre Art, die Bücher in sich abzuschließen, aber dennoch lose miteinander zu verbinden, einfach nur genial. Diese Verbindung erhält sie in diesem Band aufrecht, und bringt sie eigentlich zur Perfektion, indem sie Fire und Graceling gekonnt verknüpft und die kleinen Hinweise, die sie in den vorhergehenden Bänden gestreut hat, weiter ausbaut. Deswegen auch gleich vorneweg der Hinweis: Wer Graceling und Fire nicht gelesen hat, wird mit dem Buch nicht viel anfangen können. Auch wenn beide in sich abgeschlossen waren, haben sie mit diesem letzten Band der Trilogie sehr viel zu tun, so dass man definitiv Hintergrundwissen braucht. 

Nun, da dies gesagt ist, muss ich leider zugeben, dass ich hin- und hergerissen bin, was die Bewertung von Bitterblue angeht. Insgesamt habe ich das Buch genauso gern wie seine Vorgänger gelesen, einfach auch, weil mir die Personen alle ans Herz gewachsen sind (man trifft ja auch auf bekannte Gesichter). Was die Charaktere angeht, hat Kristin Cashore wirklich ein glückliches Händchen, denn sie trifft immer genau den richtigen Ton. Liebenswert, geheimnisvoll, aufbrausend oder unheimlich? Jeder Charakterzug wird authentisch und nachvollziehbar wiedergegeben, und man kann sich ein ganz genaues Bild von jeder einzelnen Person machen. Genauso sind der Aufbau der Welt und die Hintergründe logisch und ohne Lücken gelungen, man hat nie das Gefühl, dass sie irgendein kleines Detail nicht durchdacht hat. Auch die Aufmachung des Buches ist diesmal ganz besonders: Die größeren Abschnitte werden von wunderschönen Grafiken eingeläutet, genauso wie jedes neue Kapitel, zudem gibt es innerhalb des Textes einzelne Grafiken, die wichtig zum Verständnis sind, und am Ende des Buches befindet sich eine ganze Reihe an Karten, die dem Leser Aufschluss über die Welt geben, die schon in dessen Kopf entstanden ist. 

Dennoch gibt es unübersehbare Schwächen im Buch, die mir auch immer mehr auffielen, je weiter ich beim Lesen voranschritt. Zum einen ist da die Tatsache, dass hier die personale Erzählweise einige große Mankos hat. Die Geschichte ist aus Bitterblues Sicht geschrieben, ohne jemals davon abzuweichen, was natürlich einige Vorteile hat, aber in dieser Geschichte einen großen Nachteil: Man kommt nie auch nur einmal aus Bitterblue City heraus, selten genug aus dem Schloss, weswegen die Handlung wirklich auf diesen eng begrenzten Raum beschränkt ist. Das ist irgendwann etwas fade, und es entstehen Längen. Man liest zwar von den Abenteuern und Gefahren, die Bitterblues Freunde bestreiten, aber nur, wenn diese ihr in ihrem Kämmerchen davon erzählen, sie selbst ist so gut wie nie Teil davon. Das Buch ist also eher eins der leisen Töne, wer lieber Action hat, sollte die Finger davon lassen.
Außerdem haben mich die Geheimnisse und Enthüllungen um Bitterblues grausamen Vater Leck so langsam aber sicher verängstigt. Was da in der Vergangenheit in diesem Königreich passiert ist, ist harter Tobak und ich würde niemandem empfehlen, das Buch unbedarft zu lesen. Dieser Fakt lässt mich auch an dem empfohlenen Lesealter des Verlages von 14 bis 17 Jahren zweifeln, denn ich denke, für jüngere Leser ist das doch zu viel des Guten. Ich will nicht ins Detail gehen, um niemanden zu spoilern, aber ich kann Euch sagen, dass ich wirklich mehr als einmal sehr schlucken musste. 
Zu guter Letzt hat mich das Ende leider nicht sehr befriedigt, es war zu offen und ließ viele Fragen unbeantwortet. Sowas würde ich bei einem Anfang oder Mittelteil einer Trilogie erwarten, jedoch nicht beim letzten Band. 

Fazit
Der Abschluss einer ungewöhnlichen Fantasy-Trilogie lässt mich zwiegespalten zurück: Großartige Einfälle, liebenswerte und authentische Charaktere und ein Weltenaufbau, der überzeugt, stehen auf der Pro-Seite, ein paar unheimliche, erschreckende Enthüllungen, leichte Längen und ein zu offenes Ende auf der Contra-Seite. Insgesamt macht das weiterhin ein unentschlossenes Urteil.

Bewertung
Unentschlossen, in der Tat, ich vergebe mal 3,5 von 5 Blumen ohne Gewähr!


Reiheninformation
Eine lose zusammenhängende Trilogie, die, wie sich herausstellt, doch mehr miteinander zu tun hat, als man anfangs glauben wollte. Daher würde ich empfehlen, die Bücher auch wirklich chronologisch zu lesen, und mit Graceling anzufangen.
  • Graceling / Die Beschenkte
  • Fire / Die Flammende
  • Bitterblue / Die Königliche (erscheint im September 2012)